1. Preis bei “Wiesbadens Grünem Daumen”

Nach einer Altlastensanierung im Herbst 2010 in den Wiesbadener Reisinger-Anlagen ist unklar, was mit der großen öffentlichen Rasenfläche gegenüber dem Hauptbahnhof geschehen soll. Um die Zeit bis zur endgültigen Gestaltung zu nutzen, wurde der Beet-Wettbewerb “Wiesbadens Grüner Daumen” initiert.

Die Stadt Wiesbaden stellte zwölf Beete von je 4 m x 4 m zur Verfügung und rief Schulen, Vereine und interessierte Bürger zum Mitmachen auf. Jedes Beet wurde gegen Vorlage der Belege mit einem Zuschuss von 250 Euro ausgestattet und in der Sommerzeit 1 – 2 x wöchentlich gewässert. Alle weiteren Pflanz- und Pflegemaßnahmen blieben den Teilnehmern überlassen.

111006_GruenerDaumen_Urkunde

Die Regionalgruppe Rhein-Main des Naturgarten e.V. hat sich mit meinem Entwurf eines naturnahen “Regio-Garten” an dem Wettbewerb beteiligt. Wir haben unser Beet ausschließlich mit Wildpflanzen aus der Region gestaltet und damit den 1. Preis gewonnen!

Gemeinsam mit Familie Langguth als engagierten Anwohnern hat die Regionalgruppe Rhein-Main geschippt, gepflanzt und gepflegt.

Grüner_Daumen_2010 Im November 2010 legen wir die Strukturen an. Eine flache Senke wird ausgehoben, der Aushub zu einem kleinen Hügel aufgeschüttet. Dazwischen windet sich ein schmaler Pfad zum Ziel: Ein ruhiger Platz, umgeben von Natur. Dazu pflanzen wir drei Wildgehölze: Schlehe, Hundsrose und Wald-Geisblatt. Ein Dankeschön an Fa. Ahornblatt aus Mainz, die uns die Gehölze zum Sonderpreis überlassen hat.

110319_GruenerDaumen_Farbe1 Im März zeigt der Bärlauch seine Blätter und die Schneeglöckchen blühen. Für das rankende Wald-Geisblatt bauen wir eine Kletterhilfe aus Weiden und Rotem Hartriegel. Die Beet-Umrandung aus groben Bauholz wird am Weg so ausgesägt, dass man leicht hineingehen kann. Dann malen die Kinder das Holz mit Rote-Bete-Saft an. Zum Abschluss pflanzen sie Scharbockskraut und Gundelrebe unter die Sträucher.

DSC_0022 Kopie.JPG Anfang April leuchten die Schlehenblüten vor dem blauen Frühlingshimmel. Die ersten hungrigen Wildbienen laben sich an Nektar und Blütenstaub der Schlehe, Marienkäfer wandern auf den Rosenzweigen entlang.

110402-GruenerDaumen-6 Dank der freundlichen Unter- stützung durch die Wildpflanzenproduzenten Strickler aus Alzey konnten wir Bioland-zertifizierte Stauden bestellen.
Nun wird die grundwassernahe Senke weiter vertieft und mit dem Aushub der Hügel erhöht. Ein dickes Stammstück aus dem Taunus rollen wir als Sitzplatz ins Beet hinein, daneben kommt ein bemooster Baumstumpf.

DSC_0034 Kopie.JPG Auch Monika Wiegand aus Heidenrod hat uns mit heimischen Pflanzen aus ihrer Vermehrung unterstützt. Je nach Standortvorliebe setzen wir die Pflanzen in den feuchten oder in den trockenen Bereich, an den Wegesrand oder in die Nähe der Gehölze. So entstehen Gruppen von Pflanzen, wie sie auch in der Natur gemeinsam vorkommen.

DSC_0044 Kopie.jpg Unglaubliche 150 Stauden pflanzen wir ein, suchen die schönsten Farbkombinationen und finden immer mehr Arten, die eigentlich “unbedingt” noch hineingehören. Aber es sind nur 16 Quadratmeter, Beschränkung muss sein.

Im Gegensatz zur konventionellen Beetgestaltung wollen wir abgeblühte Pflanzen nicht einfach durch neue ersetzen. Lieber bringen wir den Pflanzen Respekt entgegen und lassen sie ihren Lebenskreis von wachsen – blühen – fruchten vollenden.

DSC_0055 Kopie.JPG Die Bepflanzung ist dennoch so angelegt, dass über die ganze Saison hinweg immer Pflanzen blühen. Es gibt außerdem geschnitzte Holzstäbe, Rindenstücke, Steine aus dem Taunus und ein Mini-Insektenhotel zu entdecken.

110402_NG_Pflanzung.jpg Geschafft! Fühlt sich schon sehr schön an, hier zu sitzen. Jetzt braucht es nur noch Sonne, Regen und den Lauf der Zeit, mit dem die Pflanzen wachsen.

110610_GruenerDaumen_0079 Kopie Und wie sie wachsen! Schon im Mai ist ein rundum grüner Platz entstanden. Wir haben inzwischen ein rotes Holzkästchen angebracht, in dem die Flyer vom Naturgarten-Verein zum Mitnehmen ausliegen.

110610_GruenerDaumen_0003 Kopie Am Eingang erhebt sich eine Wilde Karde, deren Blätter am Stängel zu einer Insekten-Wasser-Tankstelle verwachsen sind. Genau das Richtige bei der anhaltenden Hitze!

110610 Gruener Daumen Im Juni blüht Thymian als duftender Wegbegleiter zum Hügel, dahinter die letzten Margeriten. Färberkamille leuchtet gelb vor dem hummeln-umschwärmten blauem Natterkopf, hinter dem Hügel gedeihen Oregano und Wundklee. Am Sitzplatz setzt das Taubenkropf-Leimkraut weiße Akzente.

110720_GruenerDaumen_0010 Kopie Stolz zeigt sich das Wald-Geisblatt am Rankgerüst aus roten Hartriegel-Zweigen. Darunter bilden Pfennigkraut und Sumpf-Vergißmeinnicht einen zarten Blütenteppich.

110624_GruenerDaumen_0154Kopie In der Senke haben Mädesüß und Blutweiderich deutlich an Größe zugelegt, auch die Wegwarten sind groß geworden. Zusammen mit all den anderen Pflanzen schaffen sie eine geschützte Ruhezone. So lässt sich das Grün ungestört genießen, der Duft, das sonnenwarme Holz. Naturerlebnis mitten in der Stadt!

110713_GruenerDaumen_0024 Kopie Im Juli ziehen besonders die zartrosa Moschus-Malven Blicke auf sich. Als Pionierpflanzen wandern sie durch den Garten und sind überall schön anzusehen.

110713_GruenerDaumen_0012 Kopie Ein harmonischer Dreiklang aus Wegwarten, Schafgarben und Johanniskraut begleitet den Weg. In der Senke schieben sich inzwischen die Blüten des Sumpf-Storchschnabels zwischen den Lilienblättern hindurch.

110720_GruenerDaumen_0016 Kopie Die Wilde Karde hat ihre Blüten geöffnet. Sie ist über viele Monate für Mensch und Tiere attraktiv und deshalb auch Logo-Pflanze des Naturgarten e.V.

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Der Sommer neigt sich langsam, aber unaufhaltsam dem Ende zu. Saat-Luzerne war im Beet nicht vorgesehen, sie war wohl schon im Boden. Aber wie die Luzerne ihre zartlila Blüten zu den roten Hagebutten emporsteigen lässt hätte nicht schöner geplant werden können!

110914_GruenerDaumen_Schlehe1
In diesem Jahr tragen die Schlehen schon früh erste pralle Früchte.

110914_GruenerDaumen_Oregano
Während der Oregano am Fuße des Hügels noch blüht und blüht und blüht…

110914_GruenerDaumen_Geisblatt_Frucht
…hat das Wald-Geisblatt schon seinen glänzenden Fruchtschmuck angelegt.

110914_GruenerDaumen_Schmetterling
Färberkamille und Natternkopf sind verblüht, ihre Stengel bleiben als Insekten-Quartiere stehen. Schmetterlinge laben sich an den letzte Blüten der Witwenblumen. Laub legt sich als wärmende Decke über die Stauden, der Winter kann kommen.

Bis zum Frühjahr 2012 müssen die zwölf Beete wieder abgeräumt sein. Die Stadt Wiesbaden hat entschieden, dass dann andere BürgerInnen gärtnerisch aktiv sein dürfen.

Unser Beet wollen wir jedoch als prämiertes Beispiel naturnaher Gartengestaltung erhalten. Deshalb wird das ganze Ensemble in den Regionalpark Rhein-Main umsiedeln. Wir freuen uns, wenn Sie unseren Regio-Garten 2012 in Flörsheim-Weilbach in direkter Nähe zum Besucherzentrum und Naturschutzhaus besuchen.

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